Billigbier jetzt mit Oettinger ohne Gentechnik

Die Oettinger-Brauerei möchte trotz ihrer marktbeherrschenden Preispolitik offenbar nicht ganz auf Werbung verzichten. Ab sofort tragen die Flaschen der meistgetrunkenen Billigmarke Deutschlands ein Siegel mit der Aufschrift "ohne Gentechnik".

Wer hätte das gedacht? Plötzlich schmückt sich die für ihr Billigbier-Image berühmte Oettinger-Brauerei mit einem vertrauenerweckend grünen "ohne Gentechnik" Siegel, das von nachhaltig denkenden Bierliebhabern erdacht wurde. Schon 2006 riefen die bayerischen Brauer von Lammsbräu sowie der Starlsunder und der Riegele Brauerei eine Initiative ins Leben, die die Braukunst vor gentechnisch veränderten Rohstoffen schützen sollte. Nur dürfen die das Siegel nicht ohne weiteres benutzen, obwohl sie schon seit Jahren nach diesem Prinzip arbeiten.


Oettinger entdeckt die grüne Vermarktung


Für die sparsame Oettinger-Brauerei ist die Investition in das "ohne Gentechnik"-Siegel zweifelsohne ein guter Coup. In einer Zeit voller Lebensmittelskandale und misstrauischer Verbraucher kann irgendwas grünes auf der Flasche nicht schaden. Ein verwirrter & angetrunkener Tourist ohne Deutschkenntnisse könnte die beruhigende Raute sogar für irgendwas bio-artiges halten. Das muss ja gut sein! Schade nur, dass echte Bio-Brauereien das Siegel selbstverständlich nicht benutzen dürfen.


Bei Bio wird gentechnikfreie Braukunst vorausgesetzt


2009 wurde das "ohne Gentechnik"-Siegel vom Bundesverbraucherschutzministerium vorgestellt. Vergeben wird die Raute vom Lebensmittelverband - aber nur an Mitglieder & Lizenzgeber wie die Oettinger-Brauerei. Andere Brauereien wie beispielsweise Lammsbräu schauen trotz ihrer Mühen um die unverfälschte Braukunst dumm aus der Wäsche. Obwohl die Bio-Brauer zu den Initiatoren der genfreien Bierproduktion gehören, betrachtet man diese Arbeitsweise offenbar als Selbstverständlichkeit im Bio-Bier-Business. Bedeutet: kein Siegel für Lammsbräu trotz Vorreiterrolle in Sachen Gentechnik-Verbannung.


Billigbier mit trügerischem Qualitätssiegel


Auf ihrer Website tönt die marktbeherrschende Nierdrigpreis-Brauerei Oettinger großspurig, sie würde die Konkurrenz provozieren, da sie als erste das ohne-Gentechnik-Logo auf ihren Flaschen tragen darf. Angesichts der optischen Aufwertung der Oettinger-Flaschen ist das durchaus verständlich. Nur sagt das Gentechnik-Siegel leider nichts über die Qualität der verwendeten, gentechnikfreien Rohstoffe aus. Außerdem erweckt es den trügerischen Eindruck, Biermarken ohne dieses Siegel oder einem der diversen Bioverband-Logos könnten gentechnisch manipulierte Zutaten enthalten.


Augen auf beim Bierkauf


Gerade in Deutschland gibt es Qualitäts-Siegel wie Sand am Strand! Die Voraussetzungen für die Nutzung variieren stark und lassen sich daher nur bedingt vergleichen. Fest steht, dass die Siegel einen großen Einfluss auf die Kaufentscheidung der Konsumenten haben. Frei nach dem Motto: je mehr Siegel und Prädikate, desto besser. Das einige Hersteller gar nicht die Möglichkeit haben, sich eines der absatzfördernden Gimmicks auf die Ware drucken zu lassen, bleibt außer Acht. Jetzt schwimmt Oettinger plötzlich auf der grünen Öko-Welle - dank der visionären Arbeit ihrer überrumpelten Konkurrenz!

Bearbeiter: Bierbasis.de vom 12.03.2013, 18:20 Uhr
Quelle: BierBasis.de

Tags: Oettinger, ohne Gentechnik Siegel, Biobier, Lammsbräu, Bier Prädikat, Bier Logo, Qualitätssiegel
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