Nachhaltiges Flaschendesign vergangener Tage - Die (leider) verschmähte Heineken World Bottle World Bottle Mauer im Heineken Museum (Foto: Flickr/greezer.ch)

Brauerspross Alfred Heineken war seiner Zeit weit voraus. Schon in den 60ern erkannte er, dass eine Bierflasche zur Not auch als Baumaterial taugt. Leider hat er seine soziale Rechnung ohne die Marketingabteilung der niederländischen Traditionsmarke gemacht!

Mehrwegflaschen heißen Mehrwegflaschen, weil es neben der sicheren Verwahrung von Bier noch mehr Wege gibt, um sie zu nutzen. Das war Alfred Heineken (1932 - 2002) schon klar, als er Anfang der 60er Jahre Urlaub auf der Karibikinsel Curacao machte, wo die Traumstrände durch zahllose Glasflaschen vermüllt waren & große Teile der verarmten Bevölkerung in provisorischen Wellblechhütten hauste. Zwei Probleme, die sich mit einer eckigen Flasche im Ziegelformat lösen lassen könnten, dachte er sich.


Die Geburtsstunde der Heineken World Bottle


Im Gegensatz zum flunkernden Staatsratsvorsitzenden der ehemaligen DDR Walter Ulbricht machte Alfred Heineken keinen Hehl daraus, dass er eine Mauer errichten wollte - aber eine nützliche, und zwar aus nachhaltig geformten Heineken-Pullen. Zusammen mit dem Architekten N. John Habraken entwickelte er ein revolutionäres Flaschendesign, welches das einfache Stapeln leerer Bierbehälter möglich machen sollte. Um das unkomplizierte Bauen von Ecken & Öffnungen für Türen und Fenster zu erleichtern, sollte die sogenannte WOBO in zwei Größen hergestellt werden (350 & 500 Milliliter), was einem halben und einem ganzen Mauerstein entsprach. Die trink- & auftürmbare Maurermolle war geboren!


Message in a bottle


1963 wurden testweise 100.000 Stück der World Bottle produziert. 1965 ließ Alfred Heineken auf seinem Anwesen in den Niederlanden zur Probe eine gläserne Hütte errichten - sie steht heute noch! Leider ist dieser Prototyp neben der WOBO-Glaswand im Heineken Museum in Amsterdam der einzige gestapelte Beweis für die robuste Genialität dieser sozialen Brau-Botschaft in Flaschenform. 1000 WOBOS hätten gereicht, um ein 9 qm großes Heineken-Haus zu bauen. Bei 8 Cent Pfand pro Flasche wären das 80 € pro Unterkunft - ein Schnäppchenpreis für ein wetterfestes Eigenheim. Nur leider hatte Alfred Heineken die soziale Rechnung ohne die ängstliche Marketingabteilung der Bierdynastie gemacht.


Kantige Kundenbindung vs. Angst vor Imageverlust


Was dem streng calvinistischen Visionär wie eine kundenbindende Offenbarung vorgekommen sein muss, versetzte die Marketingfachleute von Heineken in Angst & Schrecken. Was, wenn eine Heineken World Bottle jemandem auf den Kopf fällt? Was, wenn ein WOBO-Haus einstürzt? Muss Heineken dann die Zeche zahlen? Und vor allem: was sollen die qualitätsbewussten Käufer der Premiummarke denken, wenn Obdachlose in aller Welt sich plötzlich kleine Paläste aus Heinekenflaschen leisten können? Letztlich machte die Angst vor dem Imageverlust das Rennen, die WOBO-Idee ist seither leider nur noch eine Designstudie, die um ein Haar das Antlitz der zahllosen Ghettos, Slums & Favelas der Welt verändert hätte.


I've been looking for WOBOS


Es gibt weltweit wohl nur einen Menschen, der der Heineken World Bottle zu ihrem verdienten Durchbruch verhelfen könnte. Ja, ihr habt richtig geraten: David Hasselhoff! Jüngst hat sich der bierbegeisterte Tausendsassa in Berlin für den Erhalt der weltberühmten East Side Gallery stark gemacht. Die Mauer soll bleiben. Mit einer LKW-Ladung voller WOBO-Ziegel & seinem Gesangstalent könnte man die hinterrücks entfernten Mauersegmente nach einem kurzen Trinkgelage im Nu wieder ersetzen - und die gierigen Investoren damit in den sauber gestapelten Wahnsinn treiben. Der Bierbasis-Vorschlag für den Namen des World Bottle Relaunchs: the Heineken Hasselhopfen beer brick!

Bearbeiter: Bierbasis.de vom 31.03.2013, 12:25 Uhr
Quelle: BierBasis.de

Tags: Heineken World Bottle, Wobo, Flaschendesign, Biermarketing, Mehrwegflaschen, Alfred Heineken

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Die (leider) verschmähte Heineken World Bottle
Die (leider) verschmähte Heineken World Bottle
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